Offener Brief an Landesparteitag der Linkspartei.PDS Sachsen-Anhalt
* Wir dokumentieren einen am Mittwoch veröffentlichten offenen Brief an
die Delegierten des Landesparteitages Sachsen-Anhalt der
Linkspartei.PDS am 23./24. September in Magdeburg:
http://www.jungewelt.de/2006/09-14/022.php
14.09.2006
»Bei der Bildung der neuen deutschen Linkspartei«, so war am 6. 9. 2006
aus dem ND zu erfahren, »dränge die PDS Sachsen-Anhalt auf eine
tiefgründige Programmdebatte«.
Der für den Parteitag vorgelegte Leitantrag »Offen für Veränderung –
Offen für den Dialog« provoziert tatsächlich eine schonungslose
Debatte. An der wollen wir uns beteiligen.
Sozialismus »ist unsere Identität« heißt es im Antrag. Wir meinen:
Dieses Papier ist eine Verunglimpfung sozialistischer Positionen
mittels Etikettenschwindel. Nicht ein angeblich »autoritär und
personalisiert geführter Kampf um eine Meinungsführerschaft« gefährdet
das linke Partei-Projekt. Vielmehr gefährden es jene, die unter
falscher Flagge segeln. Wer faktisch fordert, die Erfahrungen der DDR
vollends zu negieren und den Kampf von Westlinken diskreditiert, wer
eigene Konzepte lediglich von tagespolitisch fixiertem Pragmatismus
abzuleiten gedenkt, wer die »einst unumstrittene« öffentliche
Daseinsvorsorge als nicht mehr selbstverständlich bezeichnet und
kommunale Aufgaben dem privaten Sektor übertragen will – der sollte von
Sozialismus schweigen. Wer abstrakt über Sozialismus redet und für die
Praxis neoliberale Konzepte anpreist, wer jene angreift, die offen
gegen Neoliberalismus Front machen – der führt irre. Und schweigen
sollte von »fairer und partnerschaftlicher Debatte«, wer
Antikapitalismus, mit welchen unterstellten Vorzeichen auch immer, mit
nationalistischer, antisemitischer und fremdenfeindlicher Mobilisierung
in Verbindung bringt. Dies ist die wohl bisher schlimmste Denunziation,
die in der PDS Genossinnen und Genossen widerfuhr. Auch das macht das
Papier unerträglich und unglaubwürdig. Es ist, als würden sich welche
zur Hygiene bekennen, die gerade dabei sind, alle Voraussetzungen und
Erfahrungen der Gesundheitsfürsorge zu zerstören. Offensichtlich dient
das Bekenntnis zur Hygiene lediglich dem Zweck, entgegengesetzte
Absichten zu verschleiern. »Seid nicht skeptisch«, soll suggeriert
werden, »wir werden schon nicht verkommen«.
Wir bitten Euch, laßt nicht zu, daß unsere Partei verkommt – nicht die Linkspartei.PDS und nicht die zukünftige Linke.
Unterzeichnerinnen und Unterzeichner: Kurt Goldstein, Friedrich Wolff ,
Sahra Wagenknecht, Heiner Fink, Nele Hirsch, Ulla Jelpke, Erik Neutsch,
Tobias Pflüger, Wolfgang Gehrcke, Prof. Stefan Doernberg, Victor
Grossman, Heidi Kloor, Klaus Höpcke, Ellen Brombacher, Diether Dehm,
Torsten Koplin, Barbara Borchardt, Arne Brix, Heinz Marohn, Thomas
Hecker, Ronald Lötzsch, Carsten Schulz, Karin Heuer, Uwe-Jens Heuer,
Rim Farha, Detlef Joseph, Ursula Joseph, Jürgen Herold, Klaus Eichler,
Vera Teller, Horst Schäfer, Ursula Jeske, Achim Becker, Elli Becker,
Helmut Steiner, Horst Schützler, Kurt Pätzold u. v. a.




